Schlagwort Militär

18. April 2005
Was mich bewegt
 
Tags: , , ,  
 

Militäroperation Hollywood – auch in Deutschland?!?

Im Telepolis-Artikel Militäroperation Hollywood schreibt Peter Bürger über den Einfluss des Pentagons auf die Filmindustrie durch Zensur und Drehbuchänderungen.

Der US-Journalist David L. Robb schrieb ein Buch mit dem Titel Operation Hollywood über die US-Militäreingriffe in den letzten fünfzig Jahren in den Drehbuch-Prozess.
Mit einer “editorischen Kontrolle” bei Kooperationen erzielen die Filmbüros der US-Streitkräfte manchmal Endprodukte, die mit der künstlerischen Ausgangsidee nicht mehr viel zu tun haben.
Es ist zwar vielen bekannt, dass die großzügigen Hilfeleistungen des Militärs schon seit Jahrzehnten helfen der Filmindustrie bei der Produktion Kosten einzusparen. Weniger bekannt ist aber die Tatsache, dass massiv Einfluss auf die Produktion selbst genommen wird und dies auch länderübergreifend.

Der Artikel listet eine Reihe von Filmen auf, wo der Einfluss des Pentagons nachweisbar ist.
David L. Robb weist in Operation Hollywood bei rund 150 Filmen eine Förderpraxis des Pentagons nach, die er für verfassungswidrig hält.
Die Freiheit der Kunst und das Recht auf freie Rede würden missachtet.
Die selektive, nicht von Gleichbehandlung getragene Förderung bzw. Begünstigung (oder Ausschließung) künstlerischer Meinungsäußerungen durch den Staat (viewpoint discrimination) ist nach Robb mit dem ersten Verfassungszusatz nicht vereinbar.

Das Pentagon unterstützt Filmproduktionen, wenn es das Image des Militärs fördert und die Rekrutierungspotenziale erhöht. Tabu sind u. a. Rassismus, illegale US-Operationen, US-Biowaffenlabors, US-amerikanische Kriegsverbrechen, sexuelle Belästigung, Drogenmissbrauch und Gewalttätigkeit innerhalb der U. S. Army. Dank Steuergelder wird so eine heile Welt der US-Army den Zuschauern dargestellt, die man eher als (Kriegs-)Propaganda betrachten sollte.

Aber etwas fehlt mir im Artikel: Seit 2001 werden auch im deutschen Fernsehen Zuschauer verstärkt mit militärischen Dokus oder Filmen bombardiert. Das ist so auffällig, dass ich mich schon mehr als einmal gefragt habe, ob da jemand das Wort Aufklärung missverstanden haben könnte.

Insgesamt sollten Zuschauer bei Filmen oder Dokus mehr nach dem Cui bono fragen. Wem nützt diese Darstellung? Ist sie wirklich objektiv und sachlich oder nur verdeckte PR oder gar Täuschung?

Infos im Netz:
Hamburger Abendblatt vom 22.03.2005: Wenn das Pentagon in Hollywood Regie führt von Cornel Faltin.
ARTE über David L. Robb und sein Buch.

Buchtipp:
Operation Hollywood: How the Pentagon Shapes and Censors the Movies
Jonathan Turley (Vorwort), David L. Robb
Gebundene Ausgabe – 384 Seiten – Prometheus Books – 04/2004
ISBN: 1591021820 – etwa 24,50 Euro – englisch